Techniken moderner Aufklärung: Verteiltes Schreiben
Es ist Zeit für Vernetzung. Dieser Artikel stellt die weltweit erfolgreichste Technologie für verteiltes und vernetztes Schreiben vor: git.
Prof. Dr. Peter Kruse beschrieb im Bundestag intelligente Netze:
- Jeder hat Zugang zu Informationen im Internet. Die Vernetzungsdichte in der Welt wurde gravierend erhöht.
- In Sozialen Netzwerken und Videoplattformen kann jeder seine Spuren hinterlassen. Die Spontanaktivität im Netz wurde erhöht.
- Menschen beginnen sich inhaltlich Zusammenschließen: Erregungskreise entstehen durch das Teilen von Inhalten.
Diese Entwicklungen ermächtigen die Ohnmächtigen: Wir können heute schneller als je in der Menschheitsgeschichte einen Zusammenschluss organisieren. Die Partei Widerstand2020 ist auf jeden Fall ein interessantes Erregungskreis-Phänomen.
Um wirksam Einfluss zu nehmen steht der wissenschaftliche und demokratische Widerstand im Jahr 2020 jedoch vor einer weiteren Herausforderung: Konsens organisieren und verdichten indem wir
- nachvollziehbar und überzeugend Fakten prüfen und Falschmeldungen dokumentieren um gesellschaftliche Aufklärung befördern,
- die Schwarmintelligenz in einem Konsenstext vereinigen,
- eine breite Bevölkerung von der Konsensposition überzeugen.
Diese Aufgaben müssen in einem aggressiven gesellschaftlichen Klima gemeistert werden. Dieses aggressive Klima spaltet nicht nur die Gesellschaft, es erschwert auch die kluge Zusammenfügung von Befunden, Überlegungen, und Plänen. Heute sehen die Menschen sich um und lernen viel Neues. Mancher hofft schwärmerisch auf ein Aufwachen und auf eine kollektive Bewusstseinserweiterung. Aggressive Kommentatoren nennen die Schwärmer Wirrköpfe. Das ärgert mich, weil ich nicht sehen kann, dass Staaten und etablierte Strukturen flexibel genug organisieren, um diese Krise anders als durch beharrliche Linientreue anzugehen. Wir brauchen sehr viel mehr Organisationskompetenz!
Wie kann also Konsens organisiert und verdichtet werden? Gelingt dies mit Telegram-Gruppen, in denen täglich hunderte und tausende Nachrichten auflaufen? Telegram-Gruppen sind gute Erregungskreise aus Repostings des Einleuchtenden und Kommentaren. Doch was davon bleibt? Moderierbare Forum-Diskussionen wie Discourse oder Discord bieten thematisch organisierte besser durchsuchbare Gruppendiskussionen mit Vertrauenssystemen. Chats, Diskussions-Foren und Kommentare haben großen Nutzen. Aber meine 2000er-Hoffnung in Aufklärung durch diese Werkzeuge habe ich längst verloren. Wir brauchen mehr. Und wir können mehr. Die Menschheit hat längst erfolgreiche Technologien für verteiltes Schreiben. Aber wie das Lesen müssen wir sie erlernen.
Die komplexeste Organisation von Zusammenarbeit ist nötig, wenn tausende Personen an einem gemeinsamen Text schreiben, der Sinn ergibt und “funktioniert”. Die Softwareentwicklung verwendet seit Jahrzehnten Werkzeuge, um genau dies zu ermöglichen. Mit der quelloffenen Software git arbeiten weltweit heute die meisten Programmierer. Git hat alle seine Vorläufer weitgehend abgelöst: Git hat sich völlig durchgesetzt, weil es das Problem verteilten Schreibens elegant als verteiltes Netzwerk von aufeinander bezogenen Versionen behandelt. Die Software hat sich bewährt, ist robust, quelloffen, schnell, und ermöglicht verteilte Archivierung. Alle Versionen eines Textes sind aufeinander bezogene Knoten eines Netzwerks. Ich habe git in Teams zur Softwareentwicklung eingeführt, und dabei folgende Erfahrung gemacht: Jeder der git lernt, durchläuft eine “Bewusstseinserweiterung”, was gemeinsam arbeiten und denken ist.
Git kann auch fürs gemeinsame Schreiben von Fakten-Checks, Argumentationen, und Plänen verwendet werden. Aber wer hat schon je von git gehört? Nur Nerds. Das können und sollten wir ändern. Die Nutzung von git hat sich seit 15 Jahren immer weiter vereinfacht: es gibt web-platformen, die auf git aufbauen und nach nur wenig Lernaufwand die Mitarbeit ermöglichen.
Peter Kruses intelligente Netze beschreiben neue Kulturtechniken, die wir als Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten erlernt haben. Diese Vernetzungsmöglichkeiten ermöglichen freien Austausch von Informationen und Meinungen, und lenken unsere erregte kollektive Ausmerksamkeit auf Probleme. Verteiltes Schreiben an längeren Texten wird gebraucht für das Entstehen einer neuen stabilen Struktur. Lernen wir diese Kulturtechnik!
Wir müssen glücklicherweise nichts neu erfinden dazu: Git existiert, ist etabliert, elegant, schnell, robust, vernetzt und verteilt (als Datenbank, als Software entwickelt, als Werkzeug), und natürlich quelloffen. Sie ermöglicht Moderation und Prüfung, Diskussion und Transparenz.
Lernen Sie in dieser Zeit, sich in einer Weise zu vernetzen, die Sinn ergibt und gemeinsam erschafft!
Natürlich ist auch diese Website in git archiviert und veröffentlicht: Wenn Sie mitwirken wollen, tun Sie das am bequemsten unter github.com/gkappler/CausalCovid-19. GitHub gehört Microsoft und ist eine konstruktive Möglichkeit, die Ressourcen von Microsoft sicher und verteilt unzensierbar zu nutzen. Starten Sie, indem Sie einen Account anlegen!
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